Herrsching, 13.10.2026 (PresseBox) – Die Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Rente hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht. Renteneintrittsalter, Finanzierbarkeit, demografischer Wandel und Generationengerechtigkeit werden intensiv diskutiert. Für Verbraucher ergibt sich daraus vor allem eine Erkenntnis: Die eigene finanzielle Absicherung im Alter lässt sich immer weniger allein als staatliche Aufgabe betrachten. Private Vorsorge gewinnt damit weiter an Bedeutung – und zwar möglichst früh im Erwerbsleben. Gerade für junge Menschen entsteht daraus allerdings ein bemerkenswertes Spannungsfeld. Noch nie standen so viele Informationen über Geldanlage, Vorsorge und Vermögensaufbau zur Verfügung. Gleichzeitig war es vermutlich selten schwieriger, aus dieser Informationsfülle eine belastbare individuelle Entscheidung abzuleiten.
Damit verändert sich auch die Rolle der Banken. Ihr Mehrwert liegt künftig weniger darin, Informationen überhaupt verfügbar zu machen. Ihre eigentliche Leistung besteht zunehmend darin, Informationen einzuordnen, Zusammenhänge herzustellen und daraus gemeinsam mit dem Kunden eine individuelle Strategie abzuleiten.
Die digitale Informationsfülle löst das Orientierungsproblem nicht
Wer heute nach „private Altersvorsorge“, „ETF-Sparplan“, „Rentenlücke“ oder „Altersvorsorge für Berufseinsteiger“ sucht, erhält innerhalb weniger Sekunden eine kaum überschaubare Menge an Treffern. Vergleichsportale, Finanzblogs, Banken, Versicherungen, Fintechs, soziale Netzwerke und inzwischen auch KI-Anwendungen liefern Antworten auf nahezu jede Finanzfrage. Für die junge Generation gehört dieser digitale Zugang zum Alltag. Sie informiert sich über Suchmaschinen, Social Media, Videos, Apps oder KI-Systeme und erwartet auch von Finanzdienstleistern digitale Prozesse, schnelle Verfügbarkeit und einfache Bedienbarkeit.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass komplexe Finanzentscheidungen ausschließlich digital getroffen werden sollen. Die Ergebnisse der NextGen Studie der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigen vielmehr, dass gerade junge Erwachsene digitale Möglichkeiten und persönliche Beratung nicht als Gegensatz betrachten. 78 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 30 Jahren bewerten persönliche Beratung als mindestens wichtig. Gleichzeitig gehören digitale Finanzanwendungen für diese Generation selbstverständlich zum Alltag. Damit entsteht ein hybrides Kundenverhalten: Die Information beginnt digital, aber die Entscheidung muss deshalb noch lange nicht dort enden. Gerade beim Thema Altersvorsorge kann diese Kombination entscheidend werden.
Altersvorsorge ist keine einzelne Produktentscheidung
Eine der größten Herausforderungen der privaten Vorsorge besteht darin, dass sie sich nicht auf die Frage reduzieren lässt, welches Produkt aktuell besonders attraktiv erscheint. ETF-Sparplan oder Rentenversicherung? Immobilie oder Wertpapierdepot? Betriebliche Altersvorsorge oder privater Vermögensaufbau? Diese Fragen lassen sich isoliert zwar vergleichsweise einfach beantworten. Für eine tragfähige Altersvorsorgestrategie reicht das jedoch nicht. Entscheidend sind vielmehr die individuellen Rahmenbedingungen: Einkommen, Vermögen, bestehende Absicherung, berufliche Entwicklung, Familienplanung, Wohneigentum, Risikobereitschaft und der gewünschte Lebensstandard im Ruhestand.
Hinzu kommen Risiken, die unmittelbar mit der Altersvorsorge verbunden sind. Wer beispielsweise langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte gleichzeitig berücksichtigen, was passiert, wenn das Einkommen aufgrund von Berufsunfähigkeit wegfällt oder die finanzielle Situation einer Familie durch unerwartete Ereignisse belastet wird. Genau an dieser Stelle stößt ein rein informationsgetriebener Do-it-yourself-Ansatz an Grenzen. Der Verbraucher kann heute nahezu jedes Produkt recherchieren und vergleichen. Schwieriger ist die Frage, ob er überhaupt nach den richtigen Themen sucht.
Gute Beratung beginnt bei den Fragen, die der Kunde noch nicht gestellt hat
Darin liegt ein wesentliches Merkmal ganzheitlicher Beratung. Wer eine Bank beispielsweise wegen eines Girokontos, einer Geldanlage oder eines Sparplans aufsucht, formuliert zunächst einen konkreten Bedarf. Gute Beratung darf diesen Kundenwunsch nicht ignorieren oder künstlich ausweiten. Sie sollte aber prüfen, ob hinter der konkreten Anfrage weitere finanzielle Fragestellungen liegen, die für den Kunden von Bedeutung sind. Beim Thema Altersvorsorge bedeutet dies zunächst nicht, ein zusätzliches Produkt verkaufen zu wollen. Vielmehr geht es darum, die Vorsorgesituation überhaupt sichtbar zu machen. Welche Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung sind voraussichtlich vorhanden? Welche bestehenden Vorsorgebausteine gibt es? Welche finanziellen Mittel werden im Ruhestand benötigt? Ist bereits heute eine mögliche Versorgungslücke erkennbar? Und welche Möglichkeiten bestehen, diese über einen langfristigen Vermögensaufbau zu reduzieren? Die zentrale Aufgabe guter Beratung liegt dabei zunächst in der Sensibilisierung und Einordnung.
Eine Bank muss nicht in jedem Gespräch unmittelbar eine Vorsorgelösung abschließen. Sie sollte aber erkennen, wenn ein relevantes finanzielles Risiko bislang unbeachtet geblieben ist und dem Kunden anbieten, dieses gemeinsam näher zu betrachten. Genau darin unterscheidet sich ganzheitliche Beratung von klassischem Cross-Selling.
Die Generation Z macht die Aufgabe für Banken anspruchsvoller
Für Regionalbanken entsteht daraus eine interessante Chance. Denn ausgerechnet eine Generation, deren Alltag stärker digital geprägt ist als bei allen Generationen zuvor, zeigt weiterhin Interesse an persönlicher Beratung. Diese Bereitschaft darf jedoch nicht mit einer Rückkehr zum traditionellen Filialbanking verwechselt werden.
Junge Kunden wählen ihre Bank nicht automatisch deshalb, weil bereits Eltern und Großeltern dort Kunden waren. Lokale Präsenz allein erzeugt noch keine Relevanz. Wer heute eine neue Bank oder einen Ansprechpartner für Finanzfragen sucht, verschafft sich in der Regel zunächst digital einen Eindruck. Damit beginnt Beratungsqualität längst vor dem ersten Beratungsgespräch. Ist die Bank online gut auffindbar? Werden komplexe Themen verständlich erklärt? Finden Interessenten Informationen zur Altersvorsorge, zu Geldanlage und Vermögensaufbau? Sind Ansprechpartner und Beratungsangebote einfach erreichbar? Kann ein Termin digital vereinbart werden? Und entsteht auf der Website oder in sozialen Medien der Eindruck, dass die Bank die Lebenswirklichkeit jüngerer Kunden versteht? Der digitale Ersteindruck wird damit zu einem Teil der wahrgenommenen Beratungsqualität. Regionalbanken müssen deshalb zwei Welten miteinander verbinden: digitale Orientierung und persönliche Kompetenz.
Digital informieren, persönlich einordnen
Gerade beim Thema Altersvorsorge dürfte dieses Zusammenspiel künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Digitale Angebote sind hervorragend geeignet, grundlegende Informationen bereitzustellen, unterschiedliche Vorsorgeformen verständlich zu erklären, Szenarien zu simulieren oder erste Berechnungen vorzunehmen. Sie ermöglichen Kunden, sich unabhängig von Öffnungszeiten und Beratungsterminen mit einem Thema auseinanderzusetzen.
Die persönliche Beratung erfüllt anschließend eine andere Funktion. Sie kann Informationen priorisieren, Widersprüche auflösen, individuelle Rahmenbedingungen berücksichtigen und unterschiedliche Themen miteinander verbinden. Für Banken ergibt sich daraus ein veränderter Qualitätsanspruch: Die persönliche Beratung muss dort beginnen, wo der digitale Informationsprozess des Kunden endet. Der Kunde erwartet nicht mehr, dass ihm ein Berater Grundlagen erklärt, die er innerhalb weniger Minuten selbst recherchieren kann. Er erwartet vielmehr Unterstützung bei der Frage, was diese Informationen für seine persönliche Situation bedeuten. Gerade darin kann ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil regionaler Banken gegenüber rein digitalen Angeboten liegen.
„BESTE BANK vor Ort 2027“ legt stärkeren Fokus auf Altersvorsorge
Diese Entwicklung berücksichtigt die Gesellschaft für Qualitätsprüfung in der Neuauflage ihres Bankentests „BESTE BANK vor Ort“. Seit 2016 untersucht der Test die Service- und Beratungsqualität regionaler Banken und Sparkassen aus Sicht potenzieller Neukunden. Neben anonym durchgeführten Beratungsgesprächen wird auch der digitale Auftritt der Institute analysiert.
Für den Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“, dessen Prüfungen bereits im Jahr 2026 durchgeführt werden, wurde insbesondere der Bereich Altersvorsorge weiterentwickelt. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, zu bewerten, ob eine Bank im Test ein bestimmtes Vorsorgeprodukt anbietet oder verkauft. Entscheidend ist vielmehr, ob Altersvorsorge als Bestandteil einer umfassenden Finanzplanung verstanden wird. Das betrifft sowohl den digitalen als auch den persönlichen Kontakt. Im überarbeiteten Digital-Check wird deshalb stärker hinterfragt, wie umfassend und verständlich Banken über Altersvorsorge informieren und wie gut Interessenten von der digitalen Information in eine persönliche Beratung geführt werden. Auch im Beratungsgespräch gewinnt das Thema an Bedeutung. Bewertet wird unter anderem, ob die finanzielle und persönliche Ausgangssituation des Kunden ausreichend analysiert wird, relevante Bedarfsfelder erkannt werden und mögliche Vorsorgelücken zumindest thematisiert werden. Damit folgt die Weiterentwicklung des Tests einem grundlegenden Gedanken: Eine Bank kann nur dann ganzheitlich beraten, wenn sie finanzielle Zukunftsfragen berücksichtigt, selbst wenn diese zunächst nicht der konkrete Anlass für das Gespräch waren.
Die beste Bank wird zunehmend zum Orientierungspartner
Der Wettbewerb zwischen Banken, Direktbanken, Neobrokern und Fintechs wird sich in den kommenden Jahren nicht allein über Produkte, Preise oder technische Funktionen entscheiden. Viele digitale Leistungen werden zunehmend selbstverständlich. Ein Depot lässt sich innerhalb weniger Minuten eröffnen, Wertpapiere können per Smartphone gehandelt werden und Informationen über nahezu jedes Finanzprodukt sind jederzeit verfügbar. Gerade deshalb könnte Orientierung an Wert gewinnen. Je größer die Auswahl, desto relevanter wird die Fähigkeit, aus dieser Auswahl eine passende Entscheidung abzuleiten.
Für Regionalbanken eröffnet dies eine Perspektive, die weit über die klassische Filiale hinausgeht. Ihre Zukunft liegt nicht darin, digitale Entwicklungen aufzuhalten oder gegen Fintechs und Direktbanken um die bequemste Einzeltransaktion zu konkurrieren. Ihre Chance besteht darin, digitale Leistungsfähigkeit mit persönlicher Beratungskompetenz zu verbinden. Das Thema Altersvorsorge zeigt besonders deutlich, warum dieses Zusammenspiel wichtig ist. Eine App kann rechnen. Eine Suchmaschine kann Informationen liefern. Künstliche Intelligenz kann komplexe Zusammenhänge erklären. Die individuelle Entscheidung darüber, welche Ziele realistisch sind, welche Risiken berücksichtigt werden müssen und wie unterschiedliche finanzielle Bausteine zusammenpassen, bleibt jedoch anspruchsvoll. Genau hier kann Beratung ihren Wert beweisen.
Die „BESTE BANK vor Ort“ wird deshalb künftig nicht allein daran zu messen sein, wie gut sie eine konkrete Kundenfrage beantwortet. Entscheidend wird zunehmend, ob sie dabei hilft, die richtigen Fragen überhaupt erst zu stellen.