Herrsching, 22.09.2026 (PresseBox) – .
Autor: Kai Fürderer, Mitglied der Geschäftsleitung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH
Wer sich mit seiner finanziellen Zukunft beschäftigt, muss aus allgemeinen Informationen einen persönlichen Plan entwickeln. Wie viel Geld werde ich im Ruhestand benötigen? Welche Ansprüche habe ich bereits aufgebaut? Und welche Vorsorge passt zu meinem heutigen finanziellen Spielraum? Solche Fragen können Menschen zunächst zu Google, zu einem KI-Chatbot oder auf die Website ihrer Bank führen. Ob aus diesem Einstieg eine tragfähige Entscheidung entsteht, hängt wesentlich davon ab, wie gut Informationen eingeordnet und auf die individuelle Lebenssituation übertragen werden. Aktuelle Erhebungen dokumentieren die Bedeutung digitaler Informationswege und die Nutzung von KI für Finanzfragen. Die NextGen Studie 2026 der Gesellschaft für Qualitätsprüfung ergänzt dieses Bild um die Perspektive junger Erwachsener. Für Banken ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Sie müssen bereits bei der Recherche hilfreich sein und anschließend mit nachvollziehbarer, persönlicher Beratung überzeugen. Genau hier setzt der inhaltliche Schwerpunkt Altersvorsorge im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ an.
Altersvorsorge beginnt mit Fragen zur eigenen Zukunft
Altersvorsorge verlangt Entscheidungen unter Unsicherheit. Einkommen und Lebensplanung können sich verändern; auch der spätere Finanzbedarf lässt sich nur auf Basis von Annahmen abschätzen. Eine digitale Erklärung kann einen Begriff verständlich machen und ein Rechner mögliche Entwicklungen illustrieren. Für die individuelle Planung müssen jedoch vorhandene Ansprüche, finanzielle Verpflichtungen und persönliche Ziele zusammengeführt werden. Besonders beim Übergang vom Sparen zur Vorsorge entstehen Fragen, die über die Auswahl eines Produkts hinausgehen. Ein monatlicher Sparbetrag kann einem kurzfristigen Vorhaben dienen, eine Reserve aufbauen oder langfristig für den Ruhestand vorgesehen sein. Die Zuordnung hat Konsequenzen für Verfügbarkeit und Risikotragfähigkeit. Eine gute Beratung hilft, diese Ziele zu unterscheiden und mögliche Konflikte sichtbar zu machen. Sie sollte deshalb schon dort ansetzen, wo Menschen mit einer scheinbar einfachen Produktfrage in das Gespräch kommen.
KI wird bereits für finanzielle Fragen genutzt
Eine repräsentative Bitkom-Befragung, veröffentlicht im Mai 2026, zeigt: 25 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren haben eine KI-Anwendung wie ChatGPT bereits in finanziellen Angelegenheiten um Rat gefragt. 30 Prozent sind der Ansicht, KI könne ihnen Finanzen besser erklären als ein Mensch. Unter den 16- bis 29-Jährigen sehen 68 Prozent Chancen im Einsatz von KI rund um Finanzen. Dieser letzte Wert beschreibt die grundsätzliche Haltung, nicht die tatsächliche Nutzung. Befragt wurden telefonisch 1.004 Personen in den Kalenderwochen 11 bis 14 des Jahres 2026. [1]
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Finanzinstitute KI als Informationsquelle ihrer Kundschaft berücksichtigen sollten. Sie belegen allerdings nicht, dass ein Viertel regelmäßig zur Altersvorsorge recherchiert. Erfasst wurde bisherige Nutzung für finanzielle Angelegenheiten insgesamt. Eine Aufteilung nach Vorsorge, Sparen oder Investments lässt sich daraus ebenso wenig ableiten wie eine Anzahl monatlicher Anfragen. Eine weitere Perspektive bietet eine von t3n im Februar 2026 aufgegriffene YouGov-Erhebung im Auftrag von Raisin. Danach informieren sich zehn Prozent der Menschen in Deutschland über KI-Bots wie ChatGPT zu Geld- und Anlagethemen. Als Vergleich nennt der Bericht 14 Prozent für die eigene Bank und 13 Prozent für Finanzberatungen. Diese Angaben werden hier nach der Sekundärquelle wiedergegeben. [2]
Aus den zehn Prozent dieser Erhebung und den 25 Prozent bei Bitkom lässt sich kein Nutzungswachstum berechnen. Unterschiedliche Fragen und Bezugsgrößen verhindern einen direkten Vergleich. Für Banken bleibt dennoch eine gemeinsame praktische Konsequenz: Im Beratungsgespräch sollte Raum dafür sein, welche Informationen und Erwartungen Kunden bereits aus digitalen Quellen mitbringen.
Digitale Recherche wird früh zur Gewohnheit
Die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigt, wie selbstverständlich KI bereits im Informationsalltag Jugendlicher angekommen ist. 70 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen KI zur Informationssuche; gegenüber 2024 entspricht dies einem Zuwachs von 27 Prozentpunkten. Hinter klassischen Suchmaschinen wird ChatGPT am zweithäufigsten als Recherche- und Informationstool verwendet. Die Studie wurde im November 2025 veröffentlicht. [3]
Diese Ergebnisse betreffen die allgemeine Informationssuche. Sie sind kein Nachweis dafür, wie viele Jugendliche nach Rentenlücken oder Anlageprodukten suchen. Sie beschreiben aber das Umfeld, in dem sich künftige Bankkundinnen und Bankkunden an das Einholen von Antworten gewöhnen. Für Finanzinstitute ist es deshalb sinnvoll, ihre Erklärangebote auch aus Sicht von Menschen zu prüfen, die Fragen direkt formulieren und eine unmittelbar verständliche Antwort erwarten.
Die NextGen Studie verbindet Suchpräferenzen mit Vertrauen
Die NextGen Studie 2026 untersucht diese Verbindung gezielt für Geld und Vorsorge. SPLENDID RESEARCH befragte dafür vom 8. bis 26. Januar 2026 online 1.000 Personen zwischen 18 und 30 Jahren in Deutschland. Bei einer konkreten Geld- oder Vorsorgefrage würden 18 Prozent zuerst ein KI-Tool wie ChatGPT wählen, 17 Prozent Freunde oder Familie, 15 Prozent Google und 14 Prozent persönliche Beratung. [4, S. 5 und 20]
Beim größten Vertrauen liegt persönliche Beratung dagegen mit 26 Prozent vorn, gefolgt von Freunden und Familie mit 20 Prozent. KI erreicht hier zehn Prozent. Erfasst werden eine erklärte Erstpräferenz und Vertrauen, keine protokollierten Suchvorgänge. Der Vorsprung der KI gegenüber Google beschreibt daher die Antworten auf diese konkrete Frage und keinen allgemeinen Marktanteil. [4, S. 21]
Auch der Beratungsbedarf ist sichtbar: 78 Prozent bewerten persönliche Beratung als wichtig, während 53 Prozent ihre Hauptbank darin als gut aufgestellt einschätzen. Zudem finden 50 Prozent Altersvorsorgeprodukte sehr oder eher interessant. Die 25 Prozentpunkte zwischen Beratungswichtigkeit und wahrgenommener Leistung markieren einen Ansatzpunkt für Verbesserungen. [4, S. 11 und 13]
Für die Altersvorsorge lässt sich daraus eine klare strategische Schlussfolgerung ziehen: Der bevorzugte Zugang zu einer ersten Antwort und das Vertrauen in eine Informationsquelle erfüllen unterschiedliche Funktionen. Eine Bank kann für eine fundierte Entscheidung relevant bleiben, auch wenn sie nicht die erste Anlaufstelle war. Voraussetzung ist, dass ihre Beratung einen erkennbaren zusätzlichen Nutzen bietet und die digitale Vorinformation der Kundschaft ernst nimmt.
Was Suchdaten zeigen und welche Fragen offenbleiben
Wer die Nachfrage nach Altersvorsorgethemen genauer untersuchen möchte, muss Befragungen durch Suchdaten ergänzen. Google Trends ermöglicht es, das relative Interesse an ausgewählten Suchbegriffen für Deutschland und verschiedene Zeiträume zu betrachten. Die Werte werden auf einer Skala von null bis 100 dargestellt. Sie sind keine absoluten Anfragezahlen und erlauben keine Aussage darüber, wie viele junge Menschen hinter einem Ausschlag stehen. [5]
Der Google Keyword-Planer stellt durchschnittliche monatliche Suchvolumen für Begriffe und ähnliche Varianten bereit. Die Angaben hängen unter anderem von Zeitraum, Standort und Suchnetzwerk ab und sind gerundet. Auch hier sind Suchanfragen nicht mit unterschiedlichen Personen gleichzusetzen. Ein Mensch kann mehrfach recherchieren und mehrere verwandte Begriffe verwenden. [6]
Für eine Analyse zur Altersvorsorge wäre deshalb ein nachvollziehbar abgegrenztes Set an Suchbegriffen sinnvoll, etwa zu Rentenlücke, privater Vorsorge und Sparplänen für den Ruhestand. Ein einzelnes Wort wie „ETF“ wäre zu unspezifisch, um daraus ausschließlich Vorsorgeinteresse abzuleiten. Entsprechend sollten auch Suchvolumen verwandter Begriffe nicht ungeprüft addiert werden. Die hier herangezogenen Erhebungen liefern keine vergleichbare deutsche Statistik über die Zahl monatlicher Altersvorsorgefragen an ChatGPT. Ebenso wenig erlauben sie Aussagen zur durchschnittlichen Dauer solcher Dialoge. Die belastbare Aussage ist enger und zugleich für Banken relevant: KI wird für finanzielle Fragen eingesetzt, und junge Erwachsene beziehen digitale Quellen ausdrücklich in ihre Suche nach Antworten zu Geld und Vorsorge ein.
Die Qualität der Beratung zeigt sich an der Einordnung
Ein beispielhafter Beratungsanlass macht die Aufgabe greifbar. Eine junge Kundin hat einen KI-Chatbot gefragt, welcher monatliche Sparbetrag für ihre Altersvorsorge ausreichen könnte. Sie kommt mit einer konkreten Zahl und einer Vorstellung über die spätere Entwicklung ihres Vermögens in die Bank. Eine qualifizierte Beratung sollte zunächst klären, welche Annahmen dieser Antwort zugrunde liegen und welche Angaben zur Kundin berücksichtigt wurden. Dazu gehören die erwarteten Alterseinkünfte und der gewünschte Lebensstandard ebenso wie die Frage, ob der Sparbetrag im Alltag dauerhaft tragbar ist. Annahmen zu Rendite, Kosten und Kaufkraft müssen verständlich werden. Auch Veränderungen, etwa eine längere Erwerbsunterbrechung oder eine zeitweise niedrigere Sparrate, sollten sich in der Planung nachvollziehen lassen. Ein rechnerisch präzises Ergebnis kann sonst Sicherheit vermitteln, obwohl wesentliche Voraussetzungen ungeklärt bleiben. Beratungsqualität bedeutet in diesem Zusammenhang, die Entscheidung nachvollziehbar zu machen. Kunden sollten verstehen, warum eine Lösung zu ihren Zielen passt, welche Alternativen betrachtet wurden und unter welchen Umständen eine Anpassung sinnvoll wäre. Dazu gehört auch eine verständliche Dokumentation des nächsten Schritts. Ein Gespräch ist erst dann hilfreich, wenn die Kundin oder der Kunde danach besser beurteilen kann, was zu tun ist und weshalb.
Warum BESTE BANK vor Ort 2027 die Altersvorsorge vertieft
Mit dem Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ setzt die Gesellschaft für Qualitätsprüfung einen verstärkten inhaltlichen Schwerpunkt auf Altersvorsorge. Die vorliegenden Studien geben dieser Ausrichtung einen relevanten Kontext: Menschen können sich digital vorbereiten, Fragen vergleichen und Erklärungen einholen. Die anschließende Beratung muss diese Vorarbeit aufnehmen und zu einer auf die Lebenssituation abgestimmten Planung weiterentwickeln. Unser Qualitätsverständnis richtet sich dabei auf das Zusammenspiel von verständlichen Informationen, sorgfältiger Bedarfsanalyse und begründeten Empfehlungen. Im Themenfeld Altersvorsorge zeigt sich besonders deutlich, welchen Wert eine Bank über die Bereitstellung einzelner Produkte hinaus schaffen kann. Sie muss helfen, den heutigen finanziellen Spielraum mit langfristigen Zielen in Beziehung zu setzen und die Konsequenzen einer Entscheidung zu verstehen. Die folgenden Fragen verdeutlichen diesen Anspruch, ohne einen vollständigen Kriterienkatalog des Tests wiederzugeben: Wird die Ausgangssituation ausreichend erfasst? Sind Ziele und Prioritäten geklärt? Werden Annahmen einer Vorsorgeberechnung erläutert? Können Kunden Kosten, Risiken und Flexibilität einordnen? Und ist verständlich, wie die Planung bei veränderten Lebensumständen fortgeführt werden kann? An solchen Fragen muss sich eine überzeugende Beratung aus Kundensicht messen lassen. Auch der digitale Einstieg gehört in diese Betrachtung. Wer auf der Website einer Bank nach Altersvorsorge sucht, sollte verständliche Erklärungen und einen erkennbaren Weg zum passenden Ansprechpartner finden. Ein Rechner braucht nachvollziehbare Annahmen; ein Kontaktangebot sollte klar machen, was im Gespräch geklärt werden kann. So entsteht ein sinnvoller Übergang zwischen eigener Recherche und persönlicher Beratung.
Digitale Sichtbarkeit und Beratungsqualität zusammenführen
Die NextGen Studie und die Ausrichtung des Young Finance Award lenken den Blick auf die Erwartungen junger Menschen an digitale Zugänge und Bankleistungen. Der Schwerpunkt Altersvorsorge bei „BESTE BANK vor Ort 2027“ greift die Frage auf, wie aus einem Informationsbedarf eine fundierte persönliche Beratung wird. Beide Perspektiven ergänzen sich, ohne dass die unterschiedlichen Testformate gleichgesetzt werden müssen. Für Regionalbanken liegt darin eine konkrete Chance. Sie können ihre Beratungskompetenz bereits vor dem ersten Termin sichtbar machen, indem sie reale Kundenfragen verständlich beantworten und die Grenzen pauschaler Antworten erklären. Im Gespräch müssen sie diesen Anspruch anschließend einlösen. Wer online eine individuelle Vorsorgeplanung in Aussicht stellt, sollte auch im persönlichen Kontakt die Zeit und fachliche Tiefe dafür aufbringen. Altersvorsorge ist dafür ein besonders aussagekräftiges Thema: Eine verständliche erste Antwort erleichtert den Einstieg, eine sorgfältige Beratung macht daraus einen begründeten Plan. Mit dem Schwerpunkt im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ rückt die Gesellschaft für Qualitätsprüfung genau diese Leistung in den Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob Kundinnen und Kunden ihre finanzielle Zukunft nach der Beratung besser verstehen und die nächsten Schritte nachvollziehbar festlegen können.
Quellen und methodische Einordnung:
Stand 19. September 2026. Die Quellen messen unterschiedliche Sachverhalte und Zielgruppen. Prozentwerte werden deshalb nicht zu einer gemeinsamen Nutzungsquote oder Zeitreihe zusammengeführt. Die Ausführungen zur Beratungsqualität sind die fachliche Einordnung des Autors; die Studien belegen keine Wirkung des Bankentests.
[1] Bitkom. Ein Viertel will KI über die eigenen Finanzen entscheiden lassen. Presseinformation vom 21. Mai 2026. Repräsentative telefonische Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, KW 11 bis 14/2026.
[2] t3n zur YouGov-Erhebung im Auftrag von Raisin. Wenn KI die Geldanlage übernimmt: Wie verlässlich sind Chatbots als Finanzberater? 23. Februar 2026. Sekundärbeleg für die genannten Informationsquellen. Die Zahlen werden nicht als unmittelbar mit Bitkom vergleichbar behandelt.
[3] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. JIM-Studie 2025. Veröffentlicht am 14. November 2025. Angaben zur allgemeinen Informationssuche von 12- bis 19-Jährigen, ohne spezifische Finanzthemenauswertung.
[4] Gesellschaft für Qualitätsprüfung und SPLENDID RESEARCH. NextGen Studie 2026. Ergebnispräsentation, Stand 30. Januar 2026. Online-Befragung von 1.000 Personen zwischen 18 und 30 Jahren in Deutschland vom 8. bis 26. Januar 2026. Herangezogen: Seiten 5, 11, 13, 20 und 21.
[5] Google Trends-Hilfe. Häufig gestellte Fragen zu Google Trends-Daten. Erläuterungen zu Stichproben, Normalisierung und Aussagegrenzen.
[6] Google Ads-Hilfe. Keyword-Planer: Prognosen. Abschnitt zu bisherigen Messwerten und durchschnittlichen Suchanfragen pro Monat.